Tag 1
Das Abenteuer beginnt …

 
 
 
 

im Hotel Heiners, einer ehemaligen Zeche, die zu einem Hotel umgebaut wurde. Im Nordsternturm der Vivawest treffen Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft.

Die alten Gelände wurden restauriert und architektonisch neu gestaltet, Künstler werden eingebunden, an dem Change einer ganzen Region mitzuwirken, so dass Neues entstehen kann. Hier wird nicht alten Zeiten nachgetrauert, sondern man trägt diese mit Stolz in neue Aufgaben weiter.

Im Nordsternturm befindet sich das Museum, geleitet von Thomas Schild, Geschäftsführer Nordsternturm GmbH. Eindrucksvoll wird hier die Historie des Bergbaus festgehalten und auch neu von verschiedenen Künstlern interpretiert.
 

Mehr als nur Bergbau

Das Unternehmen Vivawest wurde uns äußerst eindrucksvoll von Herrn Dr. Rainer Fuchs vorgestellt.

Wir erkennen sofort den größeren Zusammenhang. Hier geht es um weit mehr als nur darum Bergwerke zu schließen. Mehr als 120.000 Wohnungen in 76 Städten werden von Vivawest verwaltet, das ist Wohnraum für mehr als 300.000 Menschen. Der Versuch, diese Zahl greifbar zu machen, geriet durchaus unterhaltsam: Würde man jeden Arbeitstag zehn Wohnungen besichtigen, bräuchte man mehr als 48 Jahre für den Gesamtüberblick!

Vivawest residiert im Turm der ehemaligen Zeche Nordstern – eine beeindruckende Landmark mit dem Herkules von Markus Lüpertz – und ist der drittgrößte Wohnungsanbieter Deutschlands.
 

Industrie-Ikone RAG

Die RAG entstand aus der Ruhrkohle AG und baut seit 1969 im Ruhrpott Steinkohle ab. Da der subventionierte Betrieb im Jahr 2018 eingestellt wird, reduziert die RAG – mittels Sozialplan und Pensionierungen – laufend Mitarbeiter. Von den derzeit mehr als 6000 Beschäftigten werden nach Ende der Steinkohlenförderung noch knapp 500 Mitarbeiter übrig bleiben, welche die sogenannten Ewigkeitsaufgaben zu bewältigen haben. So bezeichnet man jene Aufgaben, die nach Beendigung des Bergbaus an bestimmten Orten entstehen oder bleiben und zumindest für längere Zeit anfallen werden. Dazu gehören die Grubenwasserhaltung, die Poldermaßnahmen und die Grundwasserreinigung. Die Ewigkeitskosten werden ab 2019 über das Vermögen der RAG-Stiftung abgedeckt.

Besuchen wir eine Marke, deren Ende bereits feststeht, deren Produkt bald nicht mehr erzeugt werden kann, deren Marktchancen gegen null tendiert? Jein. Wir erfahren in den drei Tagen, dass zwar eine Ära zu Ende geht, aber schon lange an der neuen Zukunft gearbeitet wird. Und wie man diesen Change bewältigt ist ein gewichtiger Punkt der Markenbildung und –stärke eines Unternehmens, das nicht in Marke und Werbung denkt, sondern in Menschen und Kommunikation.
 

Stolz als Leitwährung einer
ganzen Region

Schon hier wird klar, dass die RAG mit all seinen Sparten sehr tief im Ruhrgebiet verwurzelt ist. Kein Wunder, waren Mitte des 20. Jahrhunderts doch bis zu 600.000 Menschen im Steinkohlebergbau beschäftigt. Die Verpflichtung für die Menschen, die Region, mittlerweile auch für die Umwelt und die Zukunft in Nordrhein-Westfalen ist stark spürbar.

Der Vortrag von Werner Tubbesing, dem Leiter des Bereichs Arbeits- und Umweltschutz verdeutlicht die Dimensionen: kein anderer Wirtschaftszweig Deutschlands hat so vielen Menschen Arbeit gegeben, so viel Energie erzeugt wie der Kohlebergbau. Bergleute sind im Ruhrpott hoch angesehen und immer willkommen. Zwischen denen, die arbeiten, herrscht eine unverbrüchliche Solidarität, ein Grundvertrauen und eisernes Zusammenhalten. Jeder muss für den anderen einstehen, denn tausend Meter im Berg ist das die Voraussetzung für sinnvolle Zusammenarbeit.

Wir merken das sofort im Umgangston zwischen den Kumpels, rau aber herzlich, bestimmt aber kollegial, kompetent aber humorvoll. Das ist wohl das Geheimnis dafür, dass die RAG wie kein anderes Unternehmen „eine gute Marke“ ist. Obwohl es keine Marketingabteilung gibt, keine Imagekampagne und kein Branding, ist das Corporate Behavior beispielhaft und die Corporate Identity prägend für die ganze Region.

Das wird auch deutlich daran, wie ehemalige Industrieareale umgewidmet worden sind (und noch werden): Wir waren im Heiner’s Hotel untergebracht, einem ehemaligen Magazingebäude der Zeche Nordstern. Die Vorträge von Vivawest und RAG fanden im Nordsternturm statt, in dem sich ein alter Schacht und das Museum befindet, das den vergangenen Zeiten ein Denkmal setzt. Die Zeche Zollverein ist seit 2001 Weltkulturerbe und heute Architektur- und Industriedenkmal sowie Standort verschiedener Kultureinrichtungen, z. B. der Folkwang Universität der Künste.
 

Starke Motivation – auch in den letzten Monaten

Die RAG ist weltweit führend in Sachen Arbeitssicherheit. Wir durften erleben, wie die „Kumpels“ zusammenhalten, wie sie respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen. Kommunikation hat den Zweck, Menschen zusammenzuschweißen. Und dieses Faszinosum durften wir bei der RAG erleben: über und unter Tage.

Die Frage ist doch: Wie schafft man Motivation bei einem auf den ersten Blick herausforderndem Job: Schichten unter Tag, ohne Tageslicht, in körperlich schwerer Arbeit, mit Staub und Dreck, Lärm und Luftzug. Das hat viel damit zu tun, wie die RAG mit den Menschen umgeht. Das hat viel mit Marke zu tun. Wir würden unseren Job nicht tauschen, aber wir verstehen, dass die Bergleute das auch nicht tun würden.

Denn wer arbeitet noch motiviert weiter, wenn er weiß, dass sein Tun ein Ablaufdatum hat? Der Motivationsfaktor Nummer 1 ist der Stolz, der Ehrgeiz. Die Bergleute wollen bis Ende 2018 in der Förderung noch Rekorde erzielen, noch alles „rausholen“, was Mensch und Maschine hergeben.

Woher kommt der Stolz unter Tage zu arbeiten, fragten wir Janine Simmann, die stellvertretende Bereichsleiterin Nachhaltigkeit und mitverantwortlich für die interne Kommunikation: „Nun, wen würde es nicht mit Stolz erfüllen, zu wissen, dass das Produkt, das man fördert das Zeitalter der Industrialisierung in Gang setzte. Ein Produkt, das über Jahrzehnte Haushalte wärmte und eine Region formte, die heute unwiderruflich mit dem Bergbau verbunden ist? Die Werte, Traditionen und Geschichten des Bergbaus fanden ihren Weg in Geschichtsbücher, Redewendungen, Straßennamen und Lieder. Und egal, mit welchen Vorurteilen das Ruhrgebiet heute zu kämpfen hat, ihnen gegenüber stehen: Authentizität, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Zusammenhalt – alles Werte, die die Kumpel unter Tage prägten.“
 

Kommunikation, die wirkt – die Arbeitsschutz-Kampagne

Erfolgreich ist das Bemühen des Unternehmens, bei den Mitarbeitern das Bewusstsein für den Arbeitsschutz zu schärfen. In der aktuellen Kampagne wird mit eindrucksvollen Bildsujets auf die Sicherheit über und unter Tage hingewiesen. Janine Simmann präsentierte sehr eindrucksvoll, wie bei der RAG Kommunikation wirkungsvoll und sinnvoll betrieben wird. Die Zeitschrift „Steinkohle“, welche von der RAG herausgegeben wird, wendet sich bestehenden und ehemaligen Mitarbeitern, wie auch an Verbänden und Institutionen zu – kurz: Allen Stakeholdern.

Auch dank der Arbeitsschutzkampagne hat die RAG es geschafft, die Unfallkennziffer (UKZ) von 57,5 (im Jahr 1995) auf 2,2 (2017) zu senken. Das Ziel ist eine Null: Vision Zero! Und das, obwohl noch mit vollem Einsatz produziert wird, auch noch kurz vor dem Ende 2018.

Die Kampagne hat bereits mehrere Preise gewonnen – wohl zurecht. Denn es gibt kaum ein besseres Beispiel für Kommunikationsmaßnahmen, die so effizient wirken. Bei der Kampagne steht der Mensch und seine Sicherheit im Vordergrund. Bei den Mitarbeitern wird Stolz ausgelöst und auch die Bereitschaft, hohe Leistungen zu erbringen. 

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Ruhrpott anders denken

Das Ruhrgebiet befindet sich in einer tiefgreifenden Veränderung und bemüht sich um seine Zukunft. Innerhalb der RAG, aber auch im gesamten Ruhrgebiet findet auf beeindruckende Art ein Umdenken statt. Denn der Bergbau wird bald Vergangenheit sein – ein Industriezweig, der die dicht besiedelte Region zwischen Wesel und Hamm, zwischen Ennepetal und Haltern geprägt hat wie kein anderer. Viele vor- und nachgelagerte Betriebe waren und sind vom Steinkohlebergbau abhängig: Zahlreiche Unternehmen im Maschinenbau, eine riesige Chemiebranche, der Kraftwerksbau, viele Energieversorger und die Immobilienwirtschaft rüsten sich deshalb für die Zeit nach 2018, wenn der subventionierte Steinkohlebergbau abgewickelt sein wird.

Janine Simmann zeigt uns faszinierende Beispiele von einem der „Player“, die sich um die Zukunft des Ruhrgebiets kümmern: den Inititiativkreis Ruhr, dem der RAG-Vorstandsvorsitzende Bernd Tönjes als Moderator vorsteht und dessen Teilgremium, der „Junge Initiativkreis Ruhr“, sich verschrieben hat, das Ruhrgebiet voranzubringen. Janine Simmann ist Co-Sprecherin des Jungen Initiativkreises Ruhr. Fokussiert wird auf Themen, die die junge Generation betreffen. Eines davon ist just die Marke Ruhrgebiet neu zu positionieren. Wer Lust hat mehr zu sehen, sucht nach dem Hashtag #läuftimruhgebiet. Zu finden ist eine emotionalisierende und Stereotype aufbrechende „Social Media Aktion“, die hilft, die Marke zu etablieren.
 

Herausforderungen einer Region –
Bildung einer regionalen Marke

Mehr als 5,2 Millionen Menschen wohnen in der „Metropole Ruhr“, dem Ruhrpott. Die Arbeitslosigkeit liegt mit zehn Prozent über dem deutschen Durchschnitt, und viele junge Menschen ziehen weg, nach Berlin, nach Bayern, ins Ausland. 22 Hochschulen und über 250.000 Studierende zeigen aber auch, dass die Region immer mehr als attraktiver Lebensraum für junge Leute gesehen wird. Es geht darum, Stereotype wie „Industrieregion“, „langweilig“, „verschmutzt“ usw. aufzubrechen und zu zeigen, was das Ruhrgebiet alles zu bieten hat. Die aktuellen Social-Media-Aktivitäten (u.a. auf der Facebook-Seite „Das Ruhrgebiet“, mit einem Memes-Generator) ist der erster Schritt einer langfristigen Strategie, um das Ruhrgebiet positiv aufzuladen und die Perspektive zu verändern. Unter dem Hashtag #läuftimruhrgebiet kann jeder einen Einblick bekommen, wie humorvoll und überraschend das geschieht. 

Eindrucksvoll erleben wir – nicht nur in Janine Simmanns Vortrag –, wie sich eine Region verändert. Der Wandel passiert schon seit Jahren, mit viel Engagement, verschiedenen Initiativen, einfallsreichen Kampagnen und einer Menge Optimismus. Der berechtigt ist. Denn was vor vielen Jahren noch undenkbar war, wird zur Chance für den Ruhrpott: Tourismus, Kunst, Kultur, Lebensqualität! Der Imagewandel ist enorm: heute setzt man auf Gemeinschaftsgärten, sanften Tourismus, Radwege und Industriedenkmäler. Ein anderes Beispiel ist das „Unperfekthaus“, wo wir uns Samstag Abend einfinden. Es ist ein ungezwungener Treffpunkt zum Essen, Trinken, Chillen – aber auch ein Ort, wo junge Menschen zusammenfinden, wo sie kreativ und produktiv sein können. Wie der Name schon sagt, ist es nicht perfekt, und dennoch haben die Werkstätten, Soundstudios und Ateliers einen Charme, den jeder Besucher ganz einfach entdecken kann.

 
 
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