Tag 2
Erlebnis Bergbau – Marke im tiefsten Inneren erleben

 
 
 
 

Noch schnell ein Morgenkaffee um 5:30 Uhr im Hotel, bevor wir zum letzten aktiven Bergwerk Prosper-Haniel gebracht werden. Nachdem wir uns den Schlaf aus den Augen gerieben haben, präsentiert uns Wolfgang Dolfen, der Bereichsleiter Belegschaftsschutz des Standorts, beeindruckende Informationen zum Bergbau allgemein und zu „seiner“ Grube im Speziellen.

Das dazu gereichte Frühstück ist – wie die Kumpels vor Ort – einfach und herzlich, ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend hindert manche aber, ordentlich zuzulangen. Denn so eine Grubenfahrt birgt auch gewisse Risiken, weshalb sie nur für Menschen bei guter Gesundheit zwischen 18 und 60 Jahren zu empfehlen ist. Tausend Meter unter der Erde, bei Dunkelheit, künstlichem Licht, Lärm, Hitze, Staub und auf engem Raum: Das ist eine fremde Welt. Das muss man sich auch trauen!

Wir trauen uns alle. Zuvor werden wir aber komplett neu eingekleidet: von der Unterhose bis zur Bergmannsjacke, von den Stiefeln bis zum Helm, von den Handschuhen bis zur Stirnlampe – alles zur eigenen Sicherheit. Das mulmige Gefühl will trotzdem nicht ganz weichen.

Doch dann stimmt Jürgen das Steigerlied an, ein altes deutsches Bergmannslied. Mit der Melodie zu „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezünd’t.“ bewegen wir uns Richtung Schachtanlage. Das Singen hebt die Stimmung in der Gruppe, bevor noch ein gemeinsames Foto an der Oberfläche gemacht wird.

So, jetzt sind wir bereit für die Grubenfahrt, Spannung sowie Vorfreude sind nahezu greifbar. Wir steigen in den sogenannten Korb, der auf Prosper-Haniel zum Glück so groß dimensioniert ist, dass wir alle zusammen hineinpassen. Mit einem leichten Ruck löst sich der Korb, und schon geht es – zuerst langsam, dann immer schneller – im Schacht mit bis zu sechs Metern pro Sekunde Richtung Erdmittelpunkt! Die Gespräche verstummen, während der nächsten eineinhalb Minuten macht sich gespanntes Schweigen breit. Der Korb bremst ab, und erleichtert verlassen wir ihn in 1200 Metern „Teufe“ Richtung Streb.

Hier ist es erstaunlich geräumig, die Strecken sind mehrere Meter hoch, mit viel Eisen ausgeschlagen und lässt noch keine Platzangst aufkommen. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg tiefer in die Strecke und den Streb hinein, und langsam wird es schmäler. Wir zwängen uns an Förderbändern, Geräten und Rohren vorbei, bis wir nach etwa 15 Minuten bei der sogenannten Dieselkatze, einer Einschienenhängebahn im Bergwerk, ankommen. Es riecht nach Kohlenstaub, Öl und Feuchtigkeit, und uns bläst ein ordentlicher Wind – die Kumpels nennen das „Wetterzug“ – ins Gesicht. Das ist beabsichtigt und wichtig, um die im Bergbau entstehenden Gase, die „Wetter“, mit frischer Luft von oben auszutauschen, durch ausgeklügelte Luftführung. Wir zwängen uns in die hintereinander angeordneten Sitze der Dieselkatze, ziehen den Kopf ein und machen es uns für die nächste Viertelstunde so gemütlich wie möglich. Los geht’s – rumpelnd setzt sich der zwanzig Meter lange Zug in Bewegung, mal bergauf, mal rechtsrum, mal linksrum. Mit unseren Lampen können wir die Wände betrachten, die sehr nah an uns vorbeiziehen. Auch Förderbänder sind zu sehen, kilometerlang – teilweise mit Kohlen – ziehen sie ihre Bahnen durch die Strecken. Das Ruckeln sowie das Klack-klack-klack der Dieselkatze wirkt beinahe einschläfernd; aber wir kommen alle wach und wohlbehalten an der Endstation an.

Doch es geht nun weiter, wieder zu Fuß. Unsere Lampen bringen wir am Helm an, damit können wir besser sehen und haben die Hände frei. Gut so, denn es heißt aufpassen, überall: Das Gestein, der Boden, die Beleuchtung erfordern höchste Aufmerksamkeit, überall laufen Rohre, Kabel, Bänder durch die Strecken, und der Weg ist uneben. Dann geht es wieder steil hinan, und mehrere Male müssen wir an Fahrten – so nennt der Bergmann seine Leitern – hoch- und runterklettern, wenn ein querendes Band oder eine Maschine zu überwinden ist. Doch bei jedem Hindernis steht ein Bergmann, ein Kumpel, und weist auf besondere Tücken und Gefahren hin. Sicherheit geht vor!

So gelangen wir zum Ziel unserer abenteuerlichen Reise: eine Abbaustelle, den sogenannten „Streb“, gestützt von 50 Tonnen schweren Schilden, die mit hydraulischer Gewichtskraft von bis zu 850 Tonnen dem Druck des Berges standhalten. Wir wähnen uns plötzlich in einem Transformer-Sequel, so unglaublich wirkt die Aneinanderreihung der riesenhaften Geräte auf 400 Metern Länge! Dabei haben sie eine äußerst wichtige Funktion: sie schaffen Platz für den Walzenschrämlader, einen SL 750, der die Kohle aus dem Berg schlagen und via Förderband abtransportieren soll. Wir können es kaum glauben, als sich der monströse Walzenlader in Bewegung setzt und vor unseren Augen an der hinteren Wand des Strebs entlangfährt. Binnen Minuten landen Tonnen von Kohleflöz auf dem Förderband – bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von zehn Metern pro Minute.

Beeindruckender hätte die Grubenfahrt kaum sein können. Überwältigt von der Präzision, der massiven Technik, den Dimensionen und den Kräften, die hier am Werk sind, machen wir uns auf den Rückweg. Wie selbstverständlich bewegen wir uns nun durch den Berg, besteigen die Dieselkatze für die Rückfahrt und lassen uns zurück Richtung Schacht schaukeln. Viele Fragen schälen sich aus den Eindrücken, manche können Werner und Wolfgang auf den letzten Metern Fußmarsch beantworten. Endlich ist der Schacht in Sicht, und erleichtert können wir nach einer kurzen Wartezeit die Fahrt nach oben antreten. Die Gesichter sind schmutzig, die Kleidung ist verschwitzt, der eine oder andere hat auch ein Stückchen Steinkohle in die Jackentasche gepackt. Und doch sind wir alle einer Meinung: Das war unpackbar, phänomenal, abenteuerlich und unvergesslich!

So viel Abenteuer macht hungrig, zum Glück wissen das auch die Jungs von der RAG. Bei der deftigen Jause im Gemeinschaftsraum werden die vielen Eindrücke sortiert, Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht.

Klar ist: nur mehr etwas über ein Jahr wird auf Prosper-Haniel Steinkohle abgebaut, 2019 wird es in Deutschland keinen subventionierten Steinkohlenbergbau mehr geben. Die Zukunft des Ruhrpotts wird dann über Tage stattfinden, und die Zechen, Schächte und Kokereien werden teilweise als Industriedenkmäler an frühere Zeiten erinnern. Schade irgendwie. Nach dem gemütlichen Beisammensitzen kehren wir auch in Gedanken wieder an die Oberfläche zurück, wir streifen die Bergmannskleider ab und waschen uns unter der Dusche – in der sogenannten Kaue – den Kohlestaub aus dem Gesicht. Der freie Nachmittag im Hotel oder in der Stadt bietet Gelegenheit, das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Bei einer Currywurst zum Beispiel.
 

 
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